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Bodybilder nimmt Tabletten

Steroid-Muskelprotze leben gefährlich

Sport ist gesund, Doping nicht. Im Versuch, sich durch immer mehr Muskeln besser und schöner zu fühlen, gehen vor allem junge Männer hohe gesundheitliche Risiken ein. Ein Ausstieg aus dieser gefährlichen Entwicklung ist immer möglich.

Gerade jetzt in der warmen Jahreszeit wird in den Fitnessstudios besonders geschwitzt. Der Sommer steht vor der Tür und ein muskelbepackter Körper scheint vielen besonders begehrenswert, im Sommer zeigt man gerne was man hat. Dagegen ist nichts einzuwenden, denn wenn man unter geschulter Aufsicht seinen Körper stärkt, ist das in der Regel gesund und führt zu einem guten Lebensgefühl. Ein Teil der Trainierenden allerdings hat ein Problem. Ihnen reichen die Erfolge nicht aus, sie wünschen sich mehr Muskeln, als sie mittels Training erreichen können und sie machen sich auf die Suche nach Hilfsmitteln. Beliebt und legal sind etwa Eiweißpräparate, ebenfalls gefragt aber illegal sind Anabolika, also Dopingmittel. 

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Gründe oft in Psyche zu finden

Warum sich jemand illegal Dopingmittel besorgt, ist in den wenigsten Fällen der Versuch, im Sport leistungsstärker zu werden. In den meisten Fällen steckt Eitelkeit und/oder ein gestörtes Selbstbild dahinter. „In vielen Fällen wird Doping als Versuch eingesetzt, die eigene sexuelle Identität zu stärken. Männer fragen sich ständig, wie sie auf potentielle Sexualpartner wirken und weil sie der Schönheitsindustrie glauben und meinen, äußere Werte seien wichtiger als Innere, tun sie alles, um sexuell attraktiv zu erscheinen. Das ist ähnlich wie bei Frauen, die sich für die Schönheit unters Messer legen“, sagt Dr. Georg Pfau, Allgemeinarzt, Sexualmediziner und Männerarzt.

Vielfach liegt ein psychologisches Problem vor, in den meisten Fällen eine neurotische Persönlichkeitsstruktur. Diese Menschen sind nicht zufrieden mit sich, ihrem Körper und ihrem Spiegelbild. Da diese Störung oft krankheitswertig ist, nützt es ihnen in Wahrheit auch nichts, wenn die Muskeln aufgrund von Training, Ernährung und Dopingmitteln tatsächlich wachsen, denn sie können nicht genug davon bekommen. Ihr größter Wunsch: die Muskeln sollen immer weiterwachsen. Dass extreme Muskelmassen in Wahrheit kaum jemand schön findet, wird ausgeblendet.

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Junge Männer besonders gefährdet

Besonders häufig dopen junge Männer. „Und genau diese Personengruppe sollte die Finger davon lassen, denn bei ihnen hat die Familienplanung oft noch nicht begonnen. Wenn sie dann mit 30 Jahren plötzlich Familie und Kinder haben möchten, kann sich das dann schwierig gestalten oder gar schon unmöglich sein, vor allem, wenn man jahrelang intensiv Anabolika gespritzt hat, denn dann sind die Hoden oft schon endgültig kaputt. Aber auch in leichteren bis mittleren Fällen muss man einige Monate Geduld zeigen, bis sich die Hoden wieder erholen und Testosteron und Spermien produzieren können“, warnt Dr. Pfau. 

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Konsum ist illegal

Doping im Sinne einer Zufuhr von Testosteron und testosteronähnlichen Substanzen zur Leistungssteigerung und/oder zum Muskelwachstum ist in Österreich auch Freizeitsportlern verboten. „Der Handel, Erwerb und Konsum ist daher illegal. Die Leute kommen dennoch über dubiose Kanäle an die Mittel und spritzen sich diese dann selbst“, sagt Dr. Pfau. Das ist nicht ungefährlich, weil die Präparate meist aus unbekannten Quellen stammen und unsauber sein können. Auch entstehen durch die Selbst-Injektion oft Infektionen. 

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Dubiose Inhaltsstoffe 

„Oft ist in den gekauften Ampullen etwas anderes drinnen, als angegeben. Oft fehlt das erhoffte Testosteron völlig und in der Ampulle ist dann bloß irgendein Öl enthalten. Ich kann das deshalb sagen, weil, wenn sich jemand, der sich so ein Mittel gespritzt hat und dann mit Problemen zu mir kommt, das Blut überprüfen lässt, sehe ich oft genug, dass kein erhöhter Testosteronwert vorhanden ist, was nichts anderes bedeutet, als dass sich der gute Mann ein teures Placebo gespritzt hat.“ 

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Gravierende Folgeschäden 

Doping führt zu außergewöhnlichem Muskelzuwachs. Für ein derartiges Muskelwachstum ist der menschliche Körper jedoch nicht ausgelegt und so leiden als allererstes Sehnen, Knochen und auch die Muskeln selbst unter dieser Veränderung. Häufig kommt es daher zu Sehnen- und Muskelrissen. 

Der Konsum von anabolen Substanzen greift in hohem Maß in die Biochemie des Organismus ein und kann sich auf den gesamten Körper negativ auswirken. Hier einige typische Folgeschäden: 

  • Schrumpfung der Hoden führt zur Unfruchtbarkeit
  • Impotenz: Doping führt häufig zu Potenzstörungen. Besonders häufig geschieht dies beim Absetzen des Dopingmittels, daher sollte man sich beim Absetzen auch ärztlich begleiten lassen
  • Steigerung der Libido bis hin zur Sexsucht. Da gleichzeitig oft die Potenz versagt, haben viele mit dieser Situation ein großes Problem
  • Männern wachsen Brüste. Dr. Pfau: „Das ist kein Märchen, es stimmt. Der Grund ist der, weil mit steigendem Testosteronspiegel auch vermehrt Östrogene anfallen.“
  • Haarausfall: Bei Doping kommt es oft zu deutlichem Ausfall von Kopfhaaren und einer Vermehrung der Körperbehaarung.
  • Akne – durch Aktivierung der Talgdrüsen
  • Aggressivität: Überdosierung von Steroiden macht häufig aggressiv und gewaltbereit.
  • Bluthochdruck und Schlaganfallrisiko: In sehr hohen Dosen steigt der Blutdruck und damit letztendlich auch das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden.
  • Herz: Vergrößertes Sportlerherz; plötzlicher Herztod.
  • Bluteindickung: In etwa 20 Prozent kommt es zu einer gefährlichen Bluteindickung.  
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Testosteron & Co darf nur ein Arzt verordnen 

Muskelaufbau benötigt große Mengen an Testosteron. Bei Anabolika (anabole Steroide) handelt es sich um künstliches Testosteron, welches an sich nicht gefährlich ist, wenn es fachgerecht angewandt wird. „Als Arzt verordne ich es bei medizinischer Notwendigkeit und es hilft vielen Menschen bei Hormonmangel. Nur ein Arzt darf Testosteron verabreichen, jedoch nur bei einer medizinischen Indikation, also bei Sexualproblemen oder bei Muskeldefizit älterer Männer, welches die häufigste Ursache für Invalidität im Alter ist. Probleme macht Testosteron nur dann, wenn es sich jemand illegal besorgt und selbst anwendet“, sagt Dr. Pfau. Denn vor allem die fehlerhafte Anwendung und falsche Dosierung führe zu den enormen Risiken. 

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Einstieg in den Ausstieg 

Dopende Freizeitsportler wissen nur zum Teil um die Gefahren, denen sie sich durch ihr Selbstdoping aussetzen. „Manche kennen sich sehr gut aus, andere wiederum wissen fast gar nichts. Wenn sich erste Schäden zeigen, kommen die Betroffenen zum Arzt. Ich kann nur an alle appellieren, genau das zu tun: Sich einen guten Arzt zu suchen und der Gesundheit willen über einen Weg zum Ausstieg aus dem Doping beraten zu lassen. Für einen Ausstieg ist es nie zu spät“, sagt Dr. Pfau. 

Besser wäre es aber, erst gar nicht in Versuchung zu geraten, sich illegal Dopingmittel zu beschaffen. „In Wahrheit würde bei vielen oft ein Psychologe helfen oder einfach jemand, der einem sagt, dass man in Ordnung ist, so wie man ist. Muskeln sind oft der Versuch, Anerkennung zu bekommen und das Gefühl, bewundert und geliebt zu werden. Ich kenne aber keinen einzigen Menschen, der wegen seiner Muskeln sein Lebensglück gefunden hat“, sagt der Mediziner.

 

Dr. Thomas Hartl

Juni 2018 


Bild: shutterstock

Zuletzt aktualisiert am 18. Juni 2018