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Frau und Mann im Meer

Sex im Urlaub: Experten warnen vor Geschlechtskrankheiten

Bei Romanzen im Urlaub ist Vorsicht geboten.  Achtung, Ansteckung! Syphilis und Tripper sind immer öfter ein unangenehmes "Mitbringsel" aus dem Urlaub. Wer besonders gefährdet ist und wie man sich schützen kann.

Syphilis und Tripper (Gonorrhoe) werden wieder häufiger. Bis zur Jahrtausendwende waren diese Geschlechtskrankheiten hierzulande kaum noch ein Thema. Jetzt sind sie immer öfter ein unangenehmes "Mitbringsel" aus dem Urlaub. Die Ursache dafür liegt möglicherweise bei einer weiteren sexuell übertragbaren Krankheit: Aids.

"HIV und Aids haben ihren Schrecken verloren. HIV ist kein lebensbedrohliches Szenario mehr, sondern gilt als chronische Erkrankung wie Rheuma oder Diabetes", sagt Martin Haditsch, Facharzt für Hygiene, Mikrobiologie, Infektiologie und Tropenmedizin in Leonding. Als das Virus aufkam, waren Kondome und Tests vor dem Geschlechtsverkehr weit verbreitete Maßnahmen, um Ansteckungen zu vermeiden. Jetzt würden diese wieder vernachlässigt und häufig ungeschützter Sex praktiziert.

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Wer ist besonders gefährdet?

"Das betrifft Österreich, Europa, auch die USA, Kanada und Australien – also industrialisierte Länder", sagt Haditsch. Beispiel USA: Die Neugeborenen-Syphilis, die von der Mutter auf das Baby übertragen wird, ist wieder genauso hoch wie vor 20 Jahren.

Verschiedene Gruppen von Reisenden sind besonders häufig betroffen. Dazu gehören nicht nur klassische Sextouristen, die für kurze Zeit oder längere Phasen sexuellen Kontakt mit Einheimischen haben. "Es gibt auch ungebundene jüngere Menschen, die einen sogenannten romantischen Tourismus betreiben. Sie reisen in Gruppen, wollen Spaß und haben dabei auch Sexualkontakte", sagt Haditsch. Große Zuwächse gibt es außerdem bei jenen jungen Leuten, die für ein Jahr Freiwilligenarbeit im Ausland verrichten. "Das ist eine Hochrisikogruppe, was sexuell übertragbare Krankheiten betrifft", sagt Haditsch. "Sie haben Kontakt mit der lokalen Bevölkerung, aber auch untereinander."

Problematisch sei, dass erste Symptome oft sehr unspektakulär sind, die Erkrankung aber bereits hochansteckend ist: Bei Tripper ist es anfangs eine harmlose eitrige Sekretion; bei Syphilis kann es bis zu drei Wochen dauern, bis Symptome wie Papeln im Genitalbereich und Schwellungen der Lymphknoten auftreten. "Auch HIV ist am Beginn kaum merkbar, leichtes Fieber und Ausschlag, der vielfach unspektakulär ist", sagt der Experte.

Behandelt werden die bakteriellen Infektionen mit Antibiotika – solange diese wirken. "Bei Gonorrhoe gibt es hier bereits ein Problem wegen zunehmender Antibiotikaresistenzen. "Es gibt Stämme von Viren, die nicht oder nur sehr schwer behandelt werden können. Das Epizentrum dafür ist Australien", sagt Haditsch. Das katapultiere die Medizin in die Vor-Antibiotika-Zeit zurück.

Während die klassischen Geschlechtskrankheiten wie Syphilis und Tripper nur durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen werden können, gibt es auch andere Erkrankungen, die sexuell übertragbar sind, dazu gehören HIV, Hepatitis B, Infektionen mit Chlamydien und Trichomonaden sowie Herpes genitalis und Genitalwarzen. Diese sind jedoch keine ausschließlichen Geschlechtskrankheiten, da auch andere Ansteckungswege zu einer Infektion führen können.

"Wichtig zu wissen ist auch, dass eine Geschlechtskrankheit die Übertragung einer weiteren erleichtern kann", sagt Haditsch. Das könne etwa bei offenen Stellen durch Syphilis sein. "Bei Gonorrhoe werden laut Empfehlung der WHO Chlamydien automatisch mitbehandelt, weil diese oft parallel übertragen werden." Kleine Verletzungen wie etwa durch Intimrasur, aber auch durch Piercings, Tätowierungen und Skarifizierung (Einbringen von Ziernarben) würden ebenfalls die Ansteckung begünstigen. Eine besonders niedrige "Durchseuchung" herrscht in den skandinavischen Ländern vor, besonders hoch ist die Ansteckungsgefahr in Afrika, Asien und Südamerika.

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Tipps für den Urlaub

Was man tun kann, um Ansteckungen im Urlaub zu vermeiden, erklärt Haditsch:

  • Kondome verwenden: Diese Barriere verhindert aber nicht die Ansteckung etwa mit Filzläusen.
  • Sexualpartner vorselektieren: Wenn jemand offensichtlich krank aussieht, gewisse Hauterscheinungen oder Zahnfleischwucherungen zeigt, sollte man den Kontakt meiden.
  • Gegen Hepatitis B kann man sich impfen lassen.
  • Vorsicht im Ausland bei Piercings und Tätowierungen.
  • Verletzungsriskante Sexualpraktiken vermeiden.

 


Logo OÖNachrichten Gesundheitsmagazin Claudia Riedler

Gesundheitsmagazin der OÖNachrichten 

11. Juli 2018

 


Bild: shutterstock


Zuletzt aktualisiert am 16. Juli 2018