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Mann greift sich mit beiden Händen an die Brust

Angina pectoris

Starke Schmerzen in der Brust mit einem beklemmenden Gefühl der Brustenge deuten auf eine Angina pectoris hin. Achtung! Sie kann ein Vorbote oder der Beginn eines Herzinfarktes sein. Vorbeugende Maßnahmen sind möglich und sollten umgesetzt werden.

Angina pectoris (Fachausdruck: Stenokardie) bedeutet übersetzt „Herzenge“. Typisch für diesen Zustand ist ein anfallsartiges, heftiges Engegefühl in der Herzgegend. Begleitet wird dieses beklemmende Gefühl von dumpfen Schmerzen, die ebenfalls in der Brust lokalisiert sind und sich reifenförmig über den gesamten Brustkorb ausdehnen. Die Schmerzen können in den linken Arm, in den oberen Bauch, in Hals und Unterkiefer ausstrahlen. Sie werden häufig als bedrohlich empfunden und können gemeinsam mit dem Engegefühl Todesangst auslösen. „Die Schmerzen sind auf eine Durchblutungsstörung der Herzkranzgefäße zurückzuführen und zeigen eine Minderversorgung des Herzmuskels an. Auch Atemnot, Pulsrasen und kalter Schweiß können bei einem Anfall von Angina pectoris auftreten“, sagt Prim. Univ.-Prof. Dr. Peter Siostrzonek, leitender Kardiologe am Ordensklinikum Linz, Barmherzige Schwestern.

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Risikofaktor Arteriosklerose

Ein wesentlicher Faktor für die Entwicklung einer Angina pectoris ist die Arteriosklerose. Sie führt dazu, dass sich die Herzkranzgefäße verengen und zu einer Koronaren Herzkrankheit (KHK) führen. Der Herzmuskel wird dadurch – vor allem bei Belastung – zu wenig mit Sauerstoff versorgt, wodurch Brustenge und Schmerzen entstehen. Es ist daher besonders wichtig, Arteriosklerose zu verhindern. Unter Arteriosklerose versteht man langsam und beständig fortschreitende Veränderungen der Blutgefäßwand. Dabei kommt es zu Ablagerungen von Plaques (Fetteinlagerungen) an den Innenwänden, die mit der Zeit verkalken. Die ursprünglich flexiblen Wände der Blutgefäße verhärten und verdicken sich und verlieren ihre Elastizität. Ebenso langsam und unmerklich verringert sich der Durchmesser der betroffenen Arterie. Mit der Zeit wird dadurch der freie Durchfluss des Blutes beeinträchtigt. Die ständig wachsenden Ablagerungen können nach zehn bis dreißig Jahren schließlich eine Angina pectoris (und auch Herzinfarkt oder Schlaganfall) verursachen. Das Risiko einer Arteriosklerose wird durch einen ungesunden Lebensstil erhöht. Schädlich sind Rauchen, körperliche Inaktivität, Stress und ständige psychische Belastungen. Ein hoher Cholesterinwert (LDL) gilt als Risikofaktor, ebenso erhöhter Zucker und Bluthochdruck. Da die Arteriosklerose als Hauptrisikofaktor einer Angina pectoris durch den Lebensstil beeinflusst wird, ist Angina pectoris zum Teil selbst verschuldet. Zum Teil ist sie jedoch auch auf eine genetische Veranlagung zurückzuführen. „Beide Punkte dürften etwa gleich viel zur Erkrankung beitragen“, sagt Siostrzonek.

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Angina pectoris und Herzinfarkt

Die genannten Beschwerden treten in der Regel bei Belastung auf. Damit ist körperliche Belastung ebenso gemeint wie psychische Belastung (Aufregung, Stress). Auch Kälte und üppiges Essen können eine solche Belastung darstellen. Nur bei fortgeschrittener Erkrankung tritt Angina pectoris auch in Ruhe und ohne psychische Belastung auf. Die Dauer der Schmerzen gibt einen Hinweis, ob Angina pectoris vorliegt. Typischerweise dauern die Schmerzen einige Minuten und verschwinden danach wieder. Treten die Schmerzen dagegen stundenlang auf, liegt ein anderes Problem vor, beispielsweise atypische Brustschmerzen. Liegen Ruheschmerzen vor und dauern diese länger als 15 bis 20 Minuten, besteht der Verdacht auf einen eben stattfindenden Herzinfarkt. Ein Anfall einer Brustenge kann also auch ein Herzinfarkt sein. Der Patient sollte in diesem Fall sofort in ein Krankenhaus gebracht werden. Dabei kann Angina pectoris auch ein Vorbote eines Herzinfarktes sein. „Ein Herzinfarkt kann aber auch ohne jegliche vorherige Beschwerden auftreten. Tatsächlich ist das bei jedem zweiten Infarkt auch der Fall“, sagt Siostrzonek.

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Diagnose

Die Beschwerden geben in der Regel deutliche Hinweise. Eine Blutuntersuchung, ein Elektrokardiogramm (EKG) und die Darstellung der Herzkranzgefäße (Koronarangiografie) sichern die Diagnose. Schwierig ist die Diagnose mitunter bei Frauen, Diabetikern und alten Menschen, weil die auftretenden Symptome bei diesen Personengruppen oft atypisch sind. Bei alten Menschen besteht zum Beispiel eher Atemnot als Brustenge und Diabetiker spüren oft keine Herzschmerzen, selbst wenn hochgradige Gefäßveränderungen vorliegen. Achtung: Auch ohne sichtbare Veränderung der großen Herzkranzgefäße kann eine Angina pectoris vorliegen. „Solche Fälle zeigen sich vor allem bei Frauen, bei ihnen findet man bei den Untersuchungen einfach keine pathologischen Veränderungen, denn das Problem liegt mitunter in der Mikrozirkulation“, sagt Primar Siostrzonek.

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Therapie

Zur Therapie stehen Medikamente und operative Eingriffe zur Verfügung. Die Auswahl der Therapie richtet sich nach der Ausprägung der Beschwerden und dem Zustand der Herzkranzgefäße. „In 50 Prozent der Fälle bringt medikamentöse Behandlung den gewünschten Erfolg. In 40 Prozent muss eine Katheterbehandlung durchgeführt werden, in zehn Prozent ist eine Bypassoperation notwendig“, erklärt Siostrzonek. Bei den Medikamenten stehen verschiedene Wirkstoffe zur Verfügung: Betablocker (senken Puls und Blutdruck), Calciumantagonisten, Dihydropyridine, Ivabradin (senkt die Herzfrequenz), Acetylsalicylsäure (hemmt die Blutplättchen). Auch die Arteriosklerose kann medikamentös mittels cholesterinsenkender Statine behandelt werden. Herzkatheter: Bei der sogenannten perkutanen Koronarintervention werden Herzkranzgefäße mittels Katheter erweitert. Ein Ballon wird eingeführt und entfaltet sich an der verengten Stelle, danach wird meist ein Stent implantiert, wodurch sich das Gefäß nicht verschließen kann. Bevor eine solche Intervention gesetzt wird, muss durch verschiedene Tests (Belastungs-EKG, Stressecho) abgeklärt werden, ob sie für den Patienten geeignet und auch unbedingt nötig ist. Bypass: Bei diesem operativen Eingriff werden verengte oder verstopfte Herzkranzgefäße durch eine Umleitung überbrückt (Bypass bedeutet Umleitung).

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Notfallmedikament mitführen

Betroffenen Patienten wird empfohlen, einen Nitroglycerin-Spray (oder Kapseln zum Zerbeißen) mit sich zu führen. Es eignet sich gut als Notfallmedikament und hilft m Fall eines Angina pectoris Anfalls sehr rasch. Generell wird empfohlen, bei einer Attacke – trotz panischer Gefühle – möglichst ruhig zu bleiben und ruhig zu atmen.

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Vorbeugung

Ein gesunder Lebensstil fördert elastische Blutgefäße, gute Blutfettwerte und einen normalen Blutdruck. Dazu zählen:

  • Ernährung: Gesunde, abwechslungsreiche Ernährung. Wenig tierische Fette, Zuckerkonsum reduzieren.
  • Bewegung: Regelmäßiges Ausdauertraining (zumindest drei- bis viermal je 30 Minuten pro Woche).
  • Rauchen: Völliger Nikotinverzicht wird dringend angeraten.
  • Stress: Dauerstress schädigt die Blutgefäße.
  • Diabetes: Diabetiker sollten stets gut eingestellt sein.
  • Cholesterin: Auf die Werte achten und diese, wenn nötig, durch Lebensstilmaßnahmen und gegebenenfalls auch medikamentös senken.


Dr. Thomas Hartl

Jänner 2018


Bild: shutterstock

Zuletzt aktualisiert am 08. Januar 2018