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Fußabdruck im Schnee

Abhärten für ein starkes Immunsystem

Sich der Kälte der Natur aussetzen, Wechselduschen oder gemütlich in die Sauna. Es gibt verschiedene Maßnahmen, wie wir uns gegen Kältereize abhärten können und dabei das Immunsystem in Schwung bringen. 

Unter „Abhärtung“ versteht man heute im Allgemeinen Maßnahmen, die das Immunsystem des Körpers stärken und ihn damit weniger anfällig gegen Erkältungen und grippale Infekte machen sollen. Im 18. Jahrhundert verstand man darunter ursprünglich die Erziehung zu allgemeiner körperlicher Härte und Unempfindlichkeit, um einer „Verweichlichung“ des Menschen entgegenzuwirken. Auch in den Lehren des Sebastian Kneipp (19. Jahrhundert) spielt der Begriff der Abhärtung eine wichtige Rolle, auch er kritisierte die Verweichlichung vieler Zeitgenossen und brachte sie in Verbindung mit vielen Krankheiten.

Nach Kneipp funktioniert Abhärten durch bestimmte natürliche Reize, wenn man sich diesen regelmäßig und wohldosiert aussetzt. Die Definition von Kneipp ist auch heute noch für viele Experten durchaus zielführend und Antwort auf die Frage, wie wir uns sinnvoll abhärten können. Entscheidend ist die Regelmäßigkeit, weil sich der Körper nur durch wiederholte Reizeinwirkung an die Maßnahmen gewöhnt. Zudem gilt: Nicht übertreiben! Das Abhärten nur sanft beginnen und langsam steigern.

„Mit Abhärten meine ich, dass wir dadurch weniger anfällig für Erkältungen werden und zudem weniger frieren. Bitte die Sache langsam angehen. Völlig falsch wäre es, wenn zum Beispiel eine betagte Frau, die stets nur warm eingepackt durchs Leben gegangen ist, plötzlich im Trainingsanzug im Winter spazieren gehen würde. Oder wenn jemand, der immer nur heiß geduscht hat, plötzlich im kalten Fluss baden würde“, sagt Dr. Martin Spinka, praktischer Arzt in Linz. 

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Nur gesund abhärten 

Die folgenden Maßnahmen sollte man nur dann in Erwägung ziehen, wenn man gesund ist. Ist man krank oder spürt man bereits in den Gliedern, dass eine Erkältung im Anmarsch ist, dann sollte man die Finger davonlassen. Absolut tabu ist Abhärten bei Fieber. 

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Sich den Reizen der Natur aussetzen 

Wichtig ist der Wechsel von warm und kalt. Befindet man sich ständig in geheizten Räumen, wird der Körper verwöhnt und er bekommt keine Möglichkeit, sich mit der Kälte auseinanderzusetzen. Diese fehlende Auseinandersetzung mit Reizen schwächt auf die Dauer das Immunsystem. Wer sich dagegen der Natur aussetzt, „stresst“ zwar den Körper kurzfristig, da er ihn zum Handeln zwingt. Der Körper versucht den Temperaturunterschied zu regulieren und kurbelt dadurch die Durchblutung an. Langfristig stärkt der Kalt-Warm-Wechsel das Immunsystem und man wird gegenüber Kältereizen unempfindlicher.

Spinka: „Es geht also darum, uns selbst, Schritt für Schritt, den Reizen von Natur und Wetter und Kältereizen auszusetzen. Gehe ich etwa bei Minusgraden spazieren, so muss ich das zuerst aushalten, dann regeneriert sich mein Körper von diesen Reizen und dann kann das Immunsystem an den erlebten Reizen wachsen. Das härtet uns mit der Zeit ab. Macht man das regelmäßig und in kleinen Schritten, dann können auch wir wie die Finnen werden, die sogar in eisiges Wasser springen und sich generell kaum verkühlen.“

Um das Immunsystem zu stärken, sollten auch Menschen, die noch nicht abgehärtet sind, jetzt im Winter, wenn möglich täglich, an die frische Luft gehen. Man sollte sich dem Wetter gemäß kleiden, jedoch so, dass man die Luft und die Temperatur auch ein wenig spürt und nicht von Kopf bis Fuß dick eingepackt ist. 

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Knieguss 

Für Anfänger eignet sich der Wechsel-Knieguss. Grob gesagt geht es darum, die Füße und Unterschenkel bis hin zu den Knien mit abwechselnd warmen und kalten Wasser abzuduschen: Zuerst dieHaut einige Minuten mit warmem Wasser erwärmen, dann folgt für einige Sekunden der kalte Knieguss. Die warme und die kalte Anwendung einmal wiederholen: Lange warm, kurz kalt. Lange warm, kurz kalt. Mit dem kaltem Guss enden. Der Wechsel-Knieguss soll gut für die Nerven, den Kreislauf und das Immunsystem sein. 

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Wechselduschen 

Unter Wechselduschen versteht man das abwechselnde Abduschen mit warmem und kaltem Wasser. Man beginnt mit warmem Wasser und endet mit kaltem Wasser. Reine Kaltduschen sind für Anfänger in Sachen Abhärten nicht zu empfehlen, sondern den Fortgeschrittenen vorbehalten. 

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Saunieren 

Auch hier gilt: man sollte mit geringer Dosierung beginnen. Spinka: „Wer das Saunieren ausprobieren möchte, sollte sich maximal sieben Minuten bei maximal 90 Grad Celsius der Hitze aussetzen. Und er sollte pro Stunde maximal einmal in die Sauna gehen. Wichtig ist es, vor dem Saunieren zu trinken und dann erst wieder eine Stunde nach der Sauna.“ 

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Joggen und Laufen im Winter 

Täglich an die frische Luft gehen, und zwar bei jedem Wetter, stärkt langfristig unsere Abwehrkräfte. Auch in der kalten Jahreszeit muss man mit dem Laufen, Joggen oder Nordic Walken nicht aufhören. Man sollte aber beachten, dass man sein Tempo den Verhältnissen anpasst, also nicht zu schnell unterwegs ist und dass man durch die Nase ein- und ausatmet. Der Mund sollte bei Minusgraden geschlossen bleiben.

Mitunter sieht man auch im Winter Läufer, die in kurzen Hosen ihre Runden drehen. „Wenn man bereits abgehärtet ist, sich dabei gut fühlt und solange man sich bewegt, ist dagegen auch nichts einzuwenden“, sagt Spinka. 

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Tau- und Schneetreten 

Schon von Kneipp wurde das Tau- und Schneetreten empfohlen. Konkret: 10 bis 20 Schritte in der taubesetzten, frühmorgendlichen Sommerwiese barfuß gehen oder im Winter barfuß im Schnee, auch hier 10 bis 20 Schritte. „Der kurze Kältereiz führt auch dazu, dass die Füße danach schön warm werden, selbst dann, wenn man vorher kalte Füße hatte“, so Spinka. 

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Verweichlichen 

Das Gegenteil von Abhärten ist das sogenannte Verweichlichen. Wenn man sich stets sehr warm anzieht und auch nur den geringsten Kältereizen aus dem Weg geht, dann gewöhnt sich der Körper an die stete Wärme. „Kneipp sagte, dass man sich vor diesem sogenannten Verweichlichen hüten soll. So sprach er sich zum Beispiel gegen wärmende Rollkragenpullover und Schals aus. Er plädierte dafür, die Reize der äußeren Temperatur und des Wetters auf den Körper wirken zu lassen. Und das ist nicht möglich, wenn man andauernd in dicke Kleidungsschichten eingehüllt ist“, erklärt Spinka. 

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Subjektives Kältegefühl  

Das subjektive Kältegefühl sollte man ernst nehmen. Geht man den Weg der Abhärtung, sollte man dabei unbedingt darauf achten, was der Körper empfindet. Man sollte nicht einfach bestimmte Situationen um jeden Preis aushalten wollen, sondern auf die inneren Sensoren achten und auf sie hören. Sie sagen uns, ob wir bereit dazu sind, jetzt ein wenig mehr Kälte auszuhalten als sonst. Auch bereits abgehärtete Menschen sollten immer auf ihre Sensoren, auf ihr Gefühl hören, sie sind ein guter Ratgeber. Auch wenn man kalte Temperaturen meist ohne Probleme meistert, so gibt es doch Tage, an denen schon der Gedanke daran reicht, um zu frösteln. „Dann kann es etwa sein, dass eine Verkühlung bereits im Gange ist und man sollte das unbedingt ernst nehmen und dann eben nicht kalt duschen oder in der Kälte laufen“, sagt Spinka.

 

Dr. Thomas Hartl

Jänner 2017


Foto: shutterstock


 

‌ Zuletzt aktualisiert am 09. Januar 2017