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Frau isst eine Banane

Legenden vom Tisch!

Kohlenhydrate machen dick, zu viel Kaffee ist schädlich, nur Schwarzbrot ist gesund. Hartnäckig halten sich bei vielen Lebensmitteln Legenden, die gar nicht stimmen und sogar zu falscher Ernährung führen können. 

Es sind die Kohlenhydrate, hier gibt es die meisten Vorurteile“, sagt Monika Bischoff. Immer wieder erlebt die Diplom-Oecotrophologin am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in München, dass ihr Patienten erklären, warum sie bei Kohlenhydraten lieber vorsichtig seien. Weil sie „dick machen“. Das Gleiche gilt für Bananen. Hier hält sich hartnäckig das Vorurteil, dass die Banane jenes Obst sei, das besonders viel Zucker enthalte.

„Das stimmt aber nicht“, sagt Bischoff, „die Banane ist sehr gesund.“ Und was die Kohlenhydrate betrifft, da müsse man eben unterscheiden. Wer auf Dauer Hot Dogs und Kuchen mit Weißmehl vertilgt und sich wenig bewegt, der wird natürlich zunehmen. Schuld daran sind sogenannte leere Kohlenhydrate, die den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen und rasch wieder abfallen lassen, was für die nächste Heißhungerattacke sorgt. Nachhaltig hingegen sind gute Kohlenhydrate, die uns mit Nährstoffen versorgen. Enthalten sind sie in Kartoffeln, Naturreis, Getreide, Haferflocken, Vollkornbrot.

Ápropos Brot. Auch hier gilt angeblich eine Faustregel, die allerdings nicht ganz richtig ist: Dunkles Brot ist in jedem Fall gesünder als Weißbrot. „Das muss nicht sein“, sagt Bischoff. Denn: „Manchmal ist helles Brot mit Malz eingefärbt und sieht dann einfach nur dunkel aus.“

Hingegen hat helles Weizenvollkornbrot oder Ciabatta aus Hartweizengrieß auch wertvolle Inhaltsstoffe. 

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Alle Vitalstoffe 

Ähnlich wie bei den Kohlenhydraten ist es beim Fett. Alles Fett ist schädlich, meinen viele Menschen. Stimmt aber nicht, auch hier muss man unterscheiden. „Die meisten tierischen Fette sollte man eher meiden“, sagt Bischoff. Pflanzliche Fette, wie sie in Olivenöl, Leinöl oder Avocados vorkommen, tun dem Körper hingegen gut.

Das Gleiche gilt auch für jene Hühnerprodukte, die viele Menschen als „Cholesterinbombe“ betrachten. „Das Ei ist das wertvollste Lebensmittel überhaupt, es enthält alle Vitalstoffe, die der Mensch braucht“, erklärt die Expertin. Aktuelle Studien zeigen, dass das tägliche Frühstücksei nicht so schädlich ist, wie man lange dachte. Früher galt die Empfehlung: Nicht öfter als zwei-, dreimal pro Woche ein Ei essen. Das jedoch ist mittlerweile überholt.

Hartnäckig hält sich auch die Regel, man solle auf jeden Fall drei Liter Wasser pro Tag trinken. So pauschal lässt sich das aber nicht sagen. Wer sich in der Hitze bewegt, braucht mehr Wasser als jemand, der im Schatten liegt. „Als Faustregel gilt heute: Körpergewicht in Kilogramm mal 0,03 Liter“, erklärt Bischoff. Für einen Menschen mit 70 Kilogramm Körpergewicht ergeben sich also 2,1 Liter pro Tag. Auch nicht richtig ist, dass man täglich lieber nur eine Tasse Kaffee zu sich nehmen sollte. „Kaffee ist das am meisten untersuchte Nahrungsmittel“, so Bischoff. Dabei entdecke man immer mehr gesunde Inhaltsstoffe. Es können daher durchaus auch mehrere Tassen empfohlen werden – vorausgesetzt, man spart ein wenig beim Zucker und kann abends schlafen. Es stimmt übrigens auch nicht, dass Essen am Abend dick macht. Es zählen die Kalorien, nicht die Tageszeit.

 

Birgit Baumann

Februar 2017


Foto: shutterstock; privat

 

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Kommentar

Legenden vom Tisch Kommentarbild Dipl.Oecotrophologin Monika Bischoff „Ich rate dazu, möglichst frische und selbst zubereitete Speisen zu essen. Wer täglich ausgewogen isst, sorgt gut für sich.“

Diplom-Oecotrophologin Monika Bischoff

Diätetische Leiterin am Zentrum für Ernährungsmedizin und Prävention, KH Barmherzige Brüder, München

‌ Zuletzt aktualisiert am 13. Februar 2017